Eine Öko-Utopie wird Realität – we-house feiert Richtfest in der HafenCity

Mit rund 170 Gästen feiert das we-house Baakenhafen am 08. Mai Richtfest – nur wenige Monate bevor die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen werden. Dass das Bauvorhaben des Stuttgarter Projektentwicklers Archy Nova kein gewöhnliches ist, zeigte nicht zuletzt das Programm des Richtfests: Eine knappe Stunde lang konnten die hochkarätigen Gastredner die vielzähligen Aspekte des Projekts beleuchten, ohne sich dabei zu wiederholen.
Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks zeigt sich sichtlich beeindruckt und gratuliert der zukünftigen Bewohnerschaft, auf die er nach eigener Aussage ein Bisschen neidisch sei. „Die Frage, wie wir künftig in unseren Städten leben wollen, entscheidet sich immer stärker direkt in unseren Quartieren. Das we-house Baakenhafen zeigt sehr konkret, wie das in der Praxis aussehen kann: weniger Flächenverbrauch, gemeinschaftlich genutzte Angebote und ein Mobilitätskonzept, das auf Sharing-Angebote, kurze Wege und die enge Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr setzt. Genau solche Projekte brauchen wir, wenn wir unsere Stadt zukunftsfähig und gleichzeitig lebenswert weiterentwickeln wollen – in der HafenCity und darüber hinaus.“
Prof. Antje Stokman, Professorin für Architektur und Landschaft an der HafenCity Universität Hamburg, zeigte sich erstaunt mit welcher Konsequenz viele der Ansätze, die sie erst am Vortag mit Bundesbauministerin Verena Hubertz diskutiert habe, im we-house Baakenhafen bereits konkret zur Umsetzung kommen: „Als ich zum ersten Mal vom Projekt hörte, habe ich mich direkt bei Herrn Hansen gemeldet. Mich hat sofort interessiert, wie es gelingt, so viele ökologische, soziale und architektonische Ansätze tatsächlich in einem realen Bauvorhaben zusammenzubringen.“
Für Stokman besonders im Fokus: der Dachwald und die Wasserkreisläufe des Hauses. Denn mehr Grün und Wasser werde unabdingbar für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte. Im we-house beziehe sich das Kreislaufdenken aber auf ganz viele Aspekte, wie die nachhaltige Bauweise oder den Lebensmittelanbau im Dachgewächshaus.

Das Gewächshaus auf dem Dach soll bereits ab diesem Herbst in einem hydroponischen Anbausystem über 3 Tonnen Gemüse, Salate, Kräuter und Microgreens pro Jahr produzieren. Betrieben wird es in direkter Verbindung mit dem Restaurant im Erdgeschoss. Archy Nova als Entwickler dieses integralen Konzepts wird sowohl Restaurant als auch Dachanbau mitbetreiben, in Zusammenarbeit mit renommierten Hamburger Partnern.
„Durch die enge Synchronisierung von Bedarf und Anbau erreichen wir nicht nur eine hervorragende Qualität und Frische der Erzeugnisse,“ erklärt Yannik Hansen-Schütz, Geschäftsführer der Archy Nova Projektentwicklung. „Gleichzeitig vermeiden wir Abfall und sparen uns die Kosten und Emissionen des Transports komplett.“

Für das gastronomische Konzept konnte Oliver Klipp gewonnen werden, der in Hamburg bereits erfolgreich die beiden Weidenkantinen und das Blattgold mit seinen Schwestern Ronja und Zora Klipp betreibt. Gemeinsam mit Yannik Hansen-Schütz von Archy Nova wird er die Geschäftsführung übernehmen.
„Im Mittelpunkt steht eine kreative Küche mit großem Fokus auf die eigens angebauten Kräuter und Gemüse aus dem Dachgewächshaus“, erklärt Oliver Klipp. „Gleichzeitig können wir über die 3 Etagen einen Ort schaffen, der sowohl als tägliche Anlaufstelle für das Quartier, als auch für besondere Anlässe funktioniert.“

Die Ansätze zur Vermeidung von Verkehrs- und Transportwegen überzeugten auch das Good Mobility Council, welches das zukunftsgewandte Mobilitätskonzept des Projekts mit „Pre-Certified Good Mobility“ in der höchsten Stufe Platin auszeichnete. Geschäftsführer des Good Mobility Councils, Ingo Kucz überreichte die Plakette beim Richtfest an Yannik Hansen-Schütz und die zukünftige Bewohnerschaft des Hauses: „Die Standards sind in der HafenCity ohnehin schon sehr hoch, doch das Planungsteam des we-house Baakenhafen übertrifft diese noch einmal deutlich. Wir erwarten hier eine extrem hohe Nutzerzufriedenheit, weil das Thema Fahrrad sehr gut gelöst ist.“

Verantwortlich für die architektonische Planung sind Eble Messerschmidt Architekten. Deren Geschäftsführer Rolf Messerschmidt bringt den Fokus zum Abschluss der Feierlichkeiten zurück auf die außergewöhnliche Bauweise. Überall, wo es technisch sinnvoll ist, wird im we-house mit Massivholz gebaut. Dadurch sollen nicht nur rund 600 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden, sondern obendrein rund 500 Tonnen CO2 langfristig biogen gespeichert werden.
Gerd Hansen, Geschäftsführender Gesellschafter der Archy Nova Projektentwicklung GmbH ordnet dies ein: „Allein durch die Holzbauweise werden pro Bewohnerin und Bewohner rechnerisch rund neun Tonnen CO2 eingespart. Zum Vergleich verursacht beispielsweise ein Transatlantikflug rund 1,5 Tonnen CO2 – natürlich auch pro Passagier.“
Obendrauf kommen die Einsparungen im Betrieb und durch die individuelle ökologische Anpassung des Lebensstils, die im we-house deutlich einfacher fallen soll, da die Rahmenbedingungen entsprechend ausgelegt sind.
„Deshalb ist unser Slogan „Das Beste, was deine Haltung werden kann, ist ein Zuhause“, ergänzt Hansen-Schütz. „Weil man mit kaum einer Entscheidung so einen großen Einfluss auf den eigenen Fußabdruck hat, wie mit den eigenen vier Wänden.“

Dass ein derartiges Pionierprojekt in der HafenCity entsteht, freut auch Dr. Andreas Kleinau, Geschäftsführer der HafenCity GmbH:
„Aus einer starken Idee ist in kurzer Zeit ein sichtbares Gebäude geworden. Das we-house zeigt, wie innovative Wohnkonzepte und hohe ökologische Standards in Einklang gebracht werden. Es steht beispielhaft für die Ziele der östlichen HafenCity: nachhaltiges Bauen, soziale Durchmischung und neue gemeinschaftliche Eigentumsmodelle. Der Platin-Standard des HafenCity Umweltzeichens, die Holz-Hybrid-Bauweise und das konsequent gedachte Sharing-Konzept setzen Maßstäbe weit über das Quartier hinaus.“

Moderiert wurde die Veranstaltung von zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern des we-house. Wolfgang W., der gemeinsam mit seiner Frau einziehen wird, hob insbesondere die Lage hervor: „Die Promenaden, der Park, die Gewässer und gleichzeitig die zentrale Lage in Hamburg war es, auf die wir direkt angesprungen sind.“
Alexander S. hingegen, der mit seinem Mann und ihrem dreijährigen Sohn ins Haus einziehen wird, erinnert sich bei der Lage gut an die anfängliche Skepsis: „Als ich zum ersten Mal vom Projekt gehört habe, dachte ich: „HafenCity ist überhaupt nichts für uns.“ Angesprochen hat uns tatsächlich das we-house und die Idee der Gemeinschaft, die hier entwickelt wurde.“
Entscheidend sei für Alexander S. die soziale Vielfalt des Projekts gewesen: „Das ist das, was uns am Ende hier überzeugt hat: dass wir hier zusammenleben. Menschen mit Behinderung, ohne Behinderung, junge Menschen, ältere Menschen, Familien, die in ganz unterschiedlichen Phasen in ihrem Leben stehen, mit unterschiedlichen Identitäten, Lebensentwürfen und Lebenswegen.“
Christiane C., die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern einziehen wird, hatte dagegen ganz gezielt nach einem solchen Wohnprojekt gesucht: „Wir fanden die Idee überzeugend, ökologisch bewusst, auf kleinem Fußabdruck, in einer lebendigen Gemeinschaft mitten in Hamburg zu wohnen. Wir hatten uns massenhaft Projekte angeguckt in Hamburg, aber keines hat uns so überzeugt und war so ökologisch wie das we-house.“



